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| Quelle:
Mindener Tageblatt, 7.2. 2004 |
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Der
Treibsand-Effekt
Quelle:
www.quarks.de |
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Treibsand
verwandte
Begriffe: Schwimmsand, Fließsand, ®
Sandmuren
In
Abenteuerfilmen ist es ein beliebtes, für Hochspannung sorgendes Szenario:
Menschen, die im Treibsand einsinken und erst in letzter Sekunde gerettet
werden (oder gar nicht, wenn es sich um Bösewichte handelt). Geologisch
lässt sich das Phänomen Treibsand relativ einfach erklären.
Voraussetzung sind Sandschichten, die gewisse Bedingungen erfüllen.
Kritische
Schichten haben einen sehr hohen Feinkorn-Anteil (d.h. sie bestehen überwiegend
aus ®
Schluff,
Feinsand bis Mittelsand),
sind wassergesättigt und weisen eine ganz lockere Packung der Sandkörner
auf. Solche Eigenschaften haben oft Sedimente, die von großen Flüssen
nahe ihres Mündungsbereiches abgesetzt wurden (m.a.W. Deltaablagerungen).
Werden solche Sandschichten durch irgendeinen Anlass in Schwingung versetzt,
kann sich der Sand regelrecht verflüssigen, ein Prozess, der auch
als Liquifizierung (engl. liquefaction) bezeichnet wird. Zur Destabilisierung
kann es schon ausreichen, wenn Menschen gefährdete Bereiche betreten.
Ausgangssituation |
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Verflüssigung |
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Endzustand |
Bei
einer Erschütterung verlieren die Sandkörner kurzzeitig ihren
Kontakt und "schwimmen" quasi im Wasser (siehe Grafik oben). Das Korngerüst
hat damit keinerlei Stützwirkung mehr. Das Sand-Wasser-Gemisch verhält
sich nun ähnlich wie eine Flüssigkeit, und Objekte, die sich
auf dem Sand befinden, sinken in diesem Moment unweigerlich ein. Danach
setzt sich der Sand langsam in einer dichteren Packung wieder ab, während
das überschüssige Wasser abfließt.
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Im
kleineren Umfang kann man dem Phänomen auch auf den Spülfeldern
in Kiesgruben begegnen (Foto links). Ein Spülfeld ist ein Bereich
am Rand eines Kiesteiches, über den das Wasser aus der Kieswäsche
zurück in den Teich geleitet wird. Dieses Wasser führt feine
Sedimentpartikel mit, die sich dann ähnlich wie in einem natürlichen
Delta ablagern. Deswegen finden sich hier auch stets Schilder mit der Aufschrift:
Betreten verboten - Lebensgefahr. |
Viel
dramatischere Auswirkungen haben naturgemäß Erdbeben, bei denen
große Gebiete mit gefährdeten Ablagerungen regelrecht durchgeschüttelt
werden. Dabei können, wie Beispiele aus Japan zeigen, durch Treibsand-Effekte
selbst mehrstöckige Häuser im Sand einsinken.
| Kippung
von Häusern bedingt durch Treibsand-Effekte während des Erdbebens
von Niigata (Japan) 1964. Quelle: Nichols & Buchanan, Geol Surv. Circular
690/1974. |
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A.
Khaldoun, E. Eiser, G. H. Wegdam, D. Bonn
Rheology:
Liquefaction of quicksand under stress.
Nature
437, 635-635 (29 Sep 2005) |
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Nochmals
zurück zum Film. Die Gefahr, bei einem Fußmarsch über eine
Treibsand-Fläche unvermittelt bis über den Kopf gänzlich
im Sand zu versinken, ist aus wissenschaftlicher Sicht wenig realistisch,
wie auch Wissenschaftler der Universität Amsterdam unlängst berichteten
(siehe Zitat links). Dem steht der Auftrieb des menschlichen Körpers
entgegen. Das Problem gestaltet sich etwas anders. Wer einmal nur bis zu
den Knien im Treibsand eingesunken war, hat die Erfahrung gemacht, dass
es selbst dann nahezu unmöglich ist, sich allein zu befreien. Zu groß
ist der Zusammenhalt und die Saugwirkung der wieder abgesetzten Sandschicht
über den Füßen. In einer abgelegenen Gegend könnte
Hilfe tagelang ausbleiben. Um vieles größer ist noch die Gefahr,
bei Ebbe in einem den Gezeiten unterworfenen Watt- oder Flußabschnitt
stecken zu bleiben und dann von der zurückkehrenden Flut überrascht
zu werden. Diese Situation fordert immer wieder Opfer, siehe Zeitungsausschnitt
oben links.
| Linktipp: |
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®
Treibsand
unter www.planet-wissen.de |
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Trockener
Treibsand ?
Unlängst
machten Experimente niederländischer Physiker Schlagzeilen, in denen
sich trockener Sand ähnlich wie eine Flüssigkeit zu verhalten
schien. Mittels eines Luftstromes, der durch ein perforiertes Behältnis
mit feinstem Sand (Schluff) geblasen wurde, konnte eine sehr lockere Packung
der Sandschicht erreicht werden. Anschließend versank ein herabfallender,
metallgefüllter Ball in dem Material und erzeugte manchmal eine regelrechte
aufspritzende Fontäne.
Angesichts
ihrer Ergebnisse spekulierten die Forscher, dass Luftwirbel in der Wüste
Sand in einer ähnlich lockeren Packung absetzen könnte, dass
sogar Menschen, Kamele oder Fahrzeuge darin versinken könnten - wie
in Abenteuer-Filmen gern dargestellt.
Veröffentlicht
in Nature, Vol. 432, 9. Dezember 2004, pp 689-90
Linktipp:
www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/768039
Allerdings
sollte bei der Übertragung der Laborexperimente auf die Wüsten-Dimension
ein Aspekt bedacht werden: in der geringmächtigen Sandschicht im Labor
spielt das Eigengewicht des Sandes keine große Rolle. Anders im Wüsten-Massstab.
Bei einer 2-3 Meter hohen Sandschicht, die für das komplette Versinken
einer Person mindestens erforderlich wäre, lastet auf dem unteren
Teil des Sandpaketes leicht ein Gewicht von 3-4 Tonnen. Ob unter dieser
Auflast eine solch lockere Packung der Sandkörner wie im Labor hergestellt
überhaupt noch stabil sein kann, erscheint zumindest problematisch.

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